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Erstellt von Julia am 4. Januar 2018, um 14:43 Uhr

Aus Tiroler Dialektarchiv

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===Ein(e/n) Katarrh haben …===
 
===Ein(e/n) Katarrh haben …===
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''Katarrh'' wurde erst später Teil des dialektalen Wortschatzes. Es handelt sich um eine Bezeichnung aus der medizinischen Fachsprache, der das altgriechische ''katárrhous'' ‚herunterfließen‘ zugrunde liegt. Das Wort ''Katarrh'' hat vor allem ''Strauche/Strauk(e)'' im Tiroler Oberland und im Außerfern verdrängt bzw. ergänzt. Die ursprüngliche Betonung auf der zweiten Silbe blieb erhalten, das Geschlecht ist jedoch keineswegs konstant. So finden sich Formen, die auf '''''der''''' ''Katáar'', ''''''die'''''' ''''''Katáar'' und das ''Katáar'' lauten. In vielen Belegen wurde zudem am Ende der ersten Silbe ein zusätzliches ''r'' eingefügt, was zu Varianten wie ''Ke'''r'''dáar'' oder ''Ka'''r'''táar'' führt. Im Außerfern kommen diese selten, in Osttirol gar nicht vor.
 
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Version vom 5. Februar 2018, 18:12 Uhr

Bedeutung Schnupfen
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Schnupfen (Wortkarte)
===Ein unliebsamer Gast, egal zu welcher Jahreszeit: der Schnupfen===

Zieht man sich in Tirol jene Krankheit zu, deren untrügliches Zeichen eine verstopfte Nase ist, bieten die Tiroler Dialekte zahlreiche Möglichkeiten, dieses Übel zu benennen.

Da strauche(lts) mich …

Verwendet man eine der beiden geläufigsten Bezeichnungen, Strauche/Strauk(e) oder Katarrh, dann ist es ein Leichtes, in Gesamttirol verstanden zu werden, zumal sich die Verbreitungsgebiete dieser Wörter vor allem in Westtirol überlappen. Die gängigere Variante von beiden ist jedoch Strauche/Strauk(e). Dieser Ausdruck fehlt in einigen Teilen des Tiroler Oberlands und des Außerfern. Die wenigen Varianten, die es gibt, unterscheiden sich vor allem in der Aussprache voneinander. So sagt man mancherorts Straukche oder Straukch, anderenorts aber wiederum Strauche. Es kann zum einen auf althochdeutschDie älteste, schriftlich nachweisbare Vorstufe der heutigen deutschen Sprache. Die althochdeutsche Zeit reicht vom Beginn der schriftlichen Überlieferung (6./7. Jahrhundert n.Chr.) bis Mitte/Ende des 11. Jahrhunderts n.Chr. strûhhôn ‚straucheln‘ zurückgeführt werden. Demnach wäre der Schnupfen also eine Krankheit, die jemanden straucheln lässt. Zum anderen nimmt man eine Entlehnung aus dem Slawischen an. Die Bedeutung des zugrundeliegenden slawischen Wortes kann man mit ‚Bach, Rinne, Rinnsal‘ umreißen. Zudem wird vermutet, dass das Wort lautmalerisch sein könnte. Das heißt, der Klang der heute als Strauche/Strauk(e) bekannten Wörter sollte eine raue Stimme oder Ähnliches imitieren.

Ein(e/n) Katarrh haben …

Katarrh wurde erst später Teil des dialektalen Wortschatzes. Es handelt sich um eine Bezeichnung aus der medizinischen Fachsprache, der das altgriechische katárrhous ‚herunterfließen‘ zugrunde liegt. Das Wort Katarrh hat vor allem Strauche/Strauk(e) im Tiroler Oberland und im Außerfern verdrängt bzw. ergänzt. Die ursprüngliche Betonung auf der zweiten Silbe blieb erhalten, das Geschlecht ist jedoch keineswegs konstant. So finden sich Formen, die auf der Katáar, 'die' 'Katáar und das Katáar lauten. In vielen Belegen wurde zudem am Ende der ersten Silbe ein zusätzliches r eingefügt, was zu Varianten wie Kerdáar oder Kartáar führt. Im Außerfern kommen diese selten, in Osttirol gar nicht vor.


Fakten zu „Bedeutung 97RDF-Feed
BedeutungSchnupfen +
Kartentext===Ein unliebsamer Gast, egal zu welcher J===Ein unliebsamer Gast, egal zu welcher Jahreszeit: der Schnupfen===

Zieht man sich in Tirol jene Krankheit zu, deren untrügliches Zeichen eine verstopfte Nase ist, bieten die Tiroler Dialekte zahlreiche Möglichkeiten, dieses Übel zu benennen.

[Bearbeiten]Da strauche(lts) mich …

Verwendet man eine der beiden geläufigsten Bezeichnungen, Strauche/Strauk(e) oder Katarrh, dann ist es ein Leichtes, in Gesamttirol verstanden zu werden, zumal sich die Verbreitungsgebiete dieser Wörter vor allem in Westtirol überlappen. Die gängigere Variante von beiden ist jedoch Strauche/Strauk(e). Dieser Ausdruck fehlt in einigen Teilen des Tiroler Oberlands und des Außerfern. Die wenigen Varianten, die es gibt, unterscheiden sich vor allem in der Aussprache voneinander. So sagt man mancherorts Straukche oder Straukch, anderenorts aber wiederum Strauche. Es kann zum einen auf althochdeutsch strûhhôn ‚straucheln‘ zurückgeführt werden. Demnach wäre der Schnupfen also eine Krankheit, die jemanden straucheln lässt. Zum anderen nimmt man eine Entlehnung aus dem Slawischen an. Die Bedeutung des zugrundeliegenden slawischen Wortes kann man mit ‚Bach, Rinne, Rinnsal‘ umreißen. Zudem wird vermutet, dass das Wort lautmalerisch sein könnte. Das heißt, der Klang der heute als Strauche/Strauk(e) bekannten Wörter sollte eine raue Stimme oder Ähnliches imitieren.

[Bearbeiten]Ein(e/n) Katarrh haben …

Katarrh wurde erst später Teil des dialektalen Wortschatzes. Es handelt sich um eine Bezeichnung aus der medizinischen Fachsprache, der das altgriechische katárrhous ‚herunterfließen‘ zugrunde liegt. Das Wort Katarrh hat vor allem Strauche/Strauk(e) im Tiroler Oberland und im Außerfern verdrängt bzw. ergänzt. Die ursprüngliche Betonung auf der zweiten Silbe blieb erhalten, das Geschlecht ist jedoch keineswegs konstant. So finden sich Formen, die auf der Katáar, 'die' 'Katáar und das Katáar lauten. In vielen Belegen wurde zudem am Ende der ersten Silbe ein zusätzliches r eingefügt, was zu Varianten wie Kerdáar oder Kartáar führt. Im Außerfern kommen diese selten, in Osttirol gar nicht vor.
n diese selten, in Osttirol gar nicht vor.
KartentitelSchnupfen (Wortkarte)
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