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Erstellt von Julia am 29. November 2017, um 13:38 Uhr

Aus Tiroler Dialektarchiv

Version vom 20. März 2019, 10:33 Uhr von Yvonne (Diskussion | Beiträge)

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Bedeutung Zwiebel
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Beleg 6270-0/68 Österreich Nordtirol Landeck Strengen Strengen a trúpfele wo drei Knollen zusammengewachsen sind
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Die Belege gelten nur für den Erhebungszeitraum.
lexikalische Varianten von 'Zwiebel'
Häuten wir die Zwiebel
Das Fazit vorweg: Besonders kreativ geht es bei der Bezeichnung von Zwiebel wirklich nicht zu. Wer in Tirol kocht, wird nämlich beim Schneiden der Zutaten vom Zwiebel, der Zwiebelrübe oder der Fölle schonungslos zum Weinen gebracht. Wie der Verursacher der Tränen genannt wird, hängt zum Teil stark von der Region ab, in der man sich befindet.

Zwiifl oder Zwiibl, dass is(s)t hier die Frage!

Im gesamten Gebiet reizt sprachlich gesehen die Zwiebel die Augen. Auf den ersten Blick scheint es hier keine Unterschiede zum übrigen deutschen Sprachraum zu geben, da Zwiebel auch dort die Bezeichnung für das tränentreibende Gemüse ist. Die Besonderheiten der dialektalen Formen liegen damit im Detail verborgen. Ist es in Deutschland etwa die Zwiebel, ändert das Wort in den Tiroler Dialekten das Geschlecht und wird so zu dem Zwiebel. Dieser Unterschied gilt übrigens für ganz Österreich. Auffälliger sind aber die Abweichungen bei der Aussprache von b in der Mitte des Wortes. Fast in ganz Tirol wird daraus ein f. Man kocht somit mit dem Zwiifl oder, wenn man sich östlich der Zillermündung befindet, mit dem Zwiifö. Hier ist das l zum Selbstlaut geworden, ein typisches Dialektmerkmal dieser Region. In großen Teilen des Bezirks Landeck, im oberen Lechtal und vereinzelt im Bezirk Imst landet der Zwiibl oder der Zwiiwl im Einkaufswagen. B und w sowie f werden beim Aussprechen ähnlich gebildet, deshalb kommt es hier zu Varianten.

Eigentlich müsste die Zwiebel aber heute Ziebel heißen. Hinter Zwiebel steckt nämlich mit lateinischDie älteste, schriftlich überlieferte romanische Sprache. Aus der gesprochenen Variante, die auch als ''Vulgärlatein'' bezeichnet wird, entwickelten sich die heute noch gesprochenen romanischen Sprachen, so etwa Französisch, Spanisch, Portugiesisch oder Italienisch. cepulla ‚Zwiebelchen‘ ein Wort, in dem noch kein w vorkam. Man hat das Wort jedoch bald nicht mehr verstanden und deshalb versucht, den einzelnen Wortbestandteilen eine nachvollziehbare Bedeutung zu verleihen. In diesem Fall ist daraus eine Zusammensetzung der mittelhochdeutschen Wörter zwi- ‚zwei‘ und bolle ‚Knospe, kugelförmige Gefäß‘ entstanden.[1]

Wo dir die Fölle die Tränen in die Augen treibt

Ausschließlich im Tiroler Oberland ist die Fölle und nicht der Zwiebel Zutat verschiedenster Speisen. Fölle kommt dort aber nicht überall vor und wenn diese Form vorhanden ist, gesellt sich Zwiebel in vielen Orten als zweite Bezeichnungsmöglichkeit dazu. In einem solchen Fall hat Fölle keine guten Zukunftsperspektiven, da sie meist als die veraltete, nicht mehr gebräuchliche Variante gilt. Es ist unklar, welches Wort zugrunde liegt. Eine - zumindest lautlich mögliche - Erklärung wäre, es auf lateinisch follis ‚Balg, Schlauch‘ zurückzuführen. Das würde zeigen, dass ursprünglich nicht die Wurzel (also das, was wir heute mit Zwiebel bezeichnen) gemeint war, sondern die Zwiebelröhrchen, die eben mit einem Schlauch verglichen wurden.[2]

Eine Rübe anderer Art

Der Zwiebelrübe als Rezeptzutat begegnet man nur in Teilen Osttirols. Dass hier die Zwiebel in Kombination mit Rübe auftritt, ist im ersten Moment verwunderlich. Dies ändert sich jedoch, wenn man letztere ganz allgemein als Bezeichnung für eine Pflanze sieht, die eine Knolle oder Wurzel – ganz ohne Spezifikation – besitzt.[3]

Karte/Kartentext: Julia Baumgartner

Literatur
  1. [DWBGrimm, Jacob/Grimm, Wilhelm (1854–1961): Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16. Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 32, Sp. 1129 | LexerLexer, Matthias (1872–1878): Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. 3 Bde. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 1, Sp. 323 | VWBAmmon, Ulrich/Bickel, Hans/Lenz, Alexandra (2016): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol sowie Rumänien, Namibia und Mennonitensiedlungen. 2. völlig neu bearb. und erw. Aufl., Berlin/Boston: de Gryter., S. 856 | KlugeKluge, Friedrich (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Kluge. Bearb. von Elmar Seebold. 24., durchges. und erw. Aufl. Berlin/New York: de Gruyter. S. 1021]
  2. [Lexer, Bd. 1, Sp. 323 | DRG(Hg). (1939–): Dicziunari Rumantsch Grischun., Bd, 6, S. 460]
  3. [SchatzSchatz, Josef (1993) (1955–1956): Wörterbuch der Tiroler Mundarten. Für den Druck vorbereitet von Karl Finsterwalder. Unveränderter Nachdruck der Ausgaben von 1955 und 1956. 2 Bde. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner (= Schlern-Schriften 119–120)., S. 493 | DWB, Bd. 14, Sp. 1331–1332]
Fakten zu „Bedeutung 89RDF-Feed
BedeutungZwiebel +
Kartentext
KartentitelHäuten wir die Zwiebel
KartiertesPhaenomenlexikalische Varianten von 'Zwiebel'
Schaufensterwahr +
SeitentitelZwiebel +
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