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Erstellt von Julia am 3. August 2016, um 08:47 Uhr

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Bedeutung Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idaea)
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Bittere Spätsommernascherei
Neigt sich der Sommer dem Ende zu, verstecken sich die bodennahen Beeren nicht mehr in ihrem grünen Sommerkleid, sondern tragen ihr schönstes Rot. Ein untrügliches Zeichen für den Beginn der Preiselbeersaison. Nur in den wenigsten Orten Tirols sammelt man dann Preiselbeeren, vielmehr sucht man nach Granten, Glanen, Grenggen und Granggeln.

Die Grantensaison ist eröffnet

Im gesamten Tiroler Oberland, im Außerfern, im Zillertal, in den Gemeinden um Innsbruck und in ganz Osttirol halten sich die Granten für Beerensammler in der allgemeinen herbstlichen Färbung gut versteckt. Von welchem Wort Granten abstammt, kann man heute nicht mehr hundertprozentig sagen. Plausibel scheint es aber, den Ursprung der Bezeichnung bei lateinischDie älteste, schriftlich überlieferte romanische Sprache. Aus der gesprochenen Variante, die auch als ''Vulgärlatein'' bezeichnet wird, entwickelten sich die heute noch gesprochenen romanischen Sprachen, so etwa Französisch, Spanisch, Portugiesisch oder Italienisch. granita ‚Körnchen‘ zu suchen.[1]

Eindeutig feurige Aufmachung

Wenn nicht gerade rote Blätter ihren Standort säumen, sind die Glanen im Wipp- und Stubaital, aber auch im mittleren Unterinntal für Sammler weithin sichtbar. Auch bei dieser Bezeichnung ist nicht ganz sicher, woher sie stammt. Möglicherweise steckt das mundartliche Wort Glan für ‚Funke, glühende Kohle‘ darin. Die feuerrote Färbung der Beeren könnte ein nachvollziehbares Motiv sein, die Bezeichnung für Funke auf Preiselbeeren zu übertragen.[2]

Würzig-süße Beigabe

Will man seinen Gästen Preiselbeermarmelade zum Schnitzel, zu Wild und Süßspeisen reichen, erntet man dafür in einigen Gemeinden des Außerferns die Grenggen. Grenggen und Granten haben sich aus demselben Wort heraus entwickelt.[3]

Granggeln tuan nit glanggeln

Zur Granggelnernte macht man sich im Spätsommer im Tiroler Unterland auf. Sie gehen auf dieselbe Herkunft wie Grenggen und Granten zurück.[4]

Alte Bekannte

Für die Marmelade pflückt man im Außerfern tatsächlich vereinzelt Preiselbeeren, diese Form ist im alemannischen Sprachraum weiter verbreitet und geht nicht unbedingt auf Einflüsse aus der StandardspracheBezeichnung für eine Sprache, die überregionale Gültigkeit besitzt, in vielen Kontexten sozialer Interaktion akzeptiert und erwünscht ist und mittels eines Regelwerks normiert ist. Im deutschen Sprachraum wird sie gemeinhin auch mit Hochdeutsch oder im wissenschaftlichen Kontext mit Standarddeutsch gleichgesetzt. zurück. Diese Bezeichnung spiegelt die alte Ernteweise der Beeren wieder und lässt sich mit russisch-kirchenslawisch (o)brusiti ‚abstreichen‘ vergleichen. Entlehnt wurde das Wort wohl aus dem obersorbischen bruslica.[5]

Karte/Kartentext: Julia Baumgartner

Literatur
  1. [DWBGrimm, Jacob/Grimm, Wilhelm (1854–1961): Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16. Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 8, Sp. 1883 | LexerLexer, Matthias (1872–1878): Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. 3 Bde. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 1, Sp. 1068 | AdelungAdelung, Johann Christoph (1811): Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart. Wien: Bauer., Sp. 831–832 | SchatzSchatz, Josef (1993) (1955–1956): Wörterbuch der Tiroler Mundarten. Für den Druck vorbereitet von Karl Finsterwalder. Unveränderter Nachdruck der Ausgaben von 1955 und 1956. 2 Bde. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner (= Schlern-Schriften 119–120)., S. 250]
  2. [Schatz, S. 239]
  3. [DWB, Bd. 8, Sp. 1883]
  4. [DWB, Bd. 8, Sp. 1883]
  5. [KlugeKluge, Friedrich (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Kluge. Bearb. von Elmar Seebold. 24., durchges. und erw. Aufl. Berlin/New York: de Gruyter., S. 719 | VALTSGabriel, Eugen (1988–): Vorarlberger Sprachatlas: mit Einschluss des Fürstentum Liechtensteins, Westtirols und des Allgäus (VALTS). Bregenz: Vorarlberger Landesbibl., Bd. 4, S. 103]
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