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Erstellt von Julia am 7. November 2017, um 17:23 Uhr

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Bedeutung Jacke
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Da bleibt nichts anderes übrig, als sich warm anzuziehen!
Spürt man die Kälte in den Gliedern, hat man in Tirol gleich das passende Kleidungsstück zur Hand. Man zieht sich aber nicht einfach eine Jacke an, sondern einen Jangger, einen Rock, eine Juppe/Joppe, einen Tscholder/Scholder oder auch einen Tschope/Schope. Der Vielfalt wird hier keine Grenze gesetzt, was auch Doppel- und Dreifachbelege bezeugen.

Immer drüber mit dem Jangger

Einen Jangger trägt man in großen Teilen Tirols. Auffallend ist hier, dass dieses Wort trotz seiner Häufigkeit in den Seitentälern Nordtirols kaum verwendet wird. Eine Ausnahme stellt das Zillertal dar. In den Bezirken Landeck und Reutte gibt es nur wenige bis keine Nennungen, Osttirol hingegen teilt sich in zwei Gebiete: Im Süden und zudem im hintersten Defereggen- und Virgental spricht man vom Jangger, im Norden vom Rock, im Pustertal und Drautal liegt das Übergangsgebiet. In diesem ist der Jangger gestrickt, der Rock hingegen aus (dickem) Stoff oder Loden. Jangger stammt wohl ursprünglich vom Wort Jacke ab und hat sich davon zu Beginn nur lautlich, nicht aber inhaltlich unterschieden. Später trat in bestimmten Regionen eine stärkere Trennung ein: So wird der Jangger oft nur in Kombination mit bestimmten Kleidungsstücken getragen. Zudem war auch nicht immer eindeutig, wer der Träger dieser Oberbekleidung war. Mancherorts zogen ihn nur Männer an, andernorts blieb er den Frauen vorbehalten. Oft zeichnete sich der Jangger aber auch dadurch aus, dass er als Kleidungstück beider Geschlechter galt.[1]

Bei Kälte sind alle hinter einem Rock her

Mit einem Rock ist, wenn er auch noch so gleich klingt, nicht das Frauenkleidungsstück gemeint, sondern ebenfalls eine Jacke, die vor Kälte schützt. Verbreitet ist dieses Wort im Ötztal, im Norden und Südosten Osttirols, im Zillertal und innabwärts ab der Zillermündung. Im 9. Jahrhundert und damit im Althochdeutschen ist das Wort jedenfalls bereits als rooch, rogh oder roc belegt – es war aber auf den Rock als Bekleidungsunterteil bezogen.[2] Und für alle, die mit Jacke, dem einen Rock und dem anderen Rock noch nicht durcheinander gekommen sind: Richtig kompliziert wird es erst dann, wenn man nach Jungholz blickt. Dort sagt man nämlich zur Jacke Kittel, was sonst in Tirol meist der Frauenrock ist.

Wüstengewand im Alpenraum

Gegen die Kälte schützt im Norden des Außerferns, im hinteren Ötz- und Pitztal, im unteren Oberinntal die Juppe, im Unterinntal etwa ab Breitenbach bis Erl die Jopp, die Joppe oder der Joppen. Das Ursprungswort stammt mit ǧubbah ‚baumwollenes Unterkleid‘ aus dem Arabischen und kam über das Romanische ins Deutsche. Die Verwandtschaft mit italienisch giubba und französisch jupe sieht man heute noch.[3]

Hinein in den guten alten Tschopen

Vor allem im Bezirk Landeck, im Außerfern und in einzelnen Gemeinden Osttirols und des Bezirks Imst nennt man das Kleidungsstück, das man über das Hemd oder Ähnliches anzieht, Tschope oder Schope. Den Schåape/Schuape zieht man sich im Außerfern an, den Tschåape in den anderen genannten Gebieten. In Osttirol kennt man beide Formen. Der Tschope/Schope geht letztlich auf das gleiche Wort zurück wie Joppe/Juppe.[4]

Anlautwürfelei

Friert man in Zentraltirol, dann zieht man sich häufig einen Tscholder/Gscholder/Scholder an. Es ändert sich, wie man sieht, je nach Region der Mitlaut am Wortanfang. Während man etwa zwischen Imst und Ranggen Tscholder sagt, wird die Bekleidung im Wipptal, am Eingang des Stubaitals und in einigen Gemeinden um Innsbruck zum Gscholder. Jene Form, bei der am Anfang der Mitlaut abgefallen ist, also der Scholder, ist regional weiter verbreitet, dafür kommt er aber im Allgemeinen nicht so häufig vor.[5]

Karte/Kartentext: Julia Baumgartner

Literatur
  1. [DWBGrimm, Jacob/Grimm, Wilhelm (1854–1961): Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16. Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 10, Sp. 2263 | KlugeKluge, Friedrich (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Kluge. Bearb. von Elmar Seebold. 24., durchges. und erw. Aufl. Berlin/New York: de Gruyter., S. 450]
  2. [DWB, Bd. 14, Sp. 1092 und Bd. 10, Sp. 2336 | Kluge, S. 768]
  3. [DWB, Bd. 10, Sp. 2336 | SchatzSchatz, Josef (1993) (1955–1956): Wörterbuch der Tiroler Mundarten. Für den Druck vorbereitet von Karl Finsterwalder. Unveränderter Nachdruck der Ausgaben von 1955 und 1956. 2 Bde. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner (= Schlern-Schriften 119–120)., S. 318 | AdelungAdelung, Johann Christoph (1811): Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart. Wien: Bauer., Sp. 1439–1440 | Kluge, S. 453 ]
  4. [Schatz, S. 661 | DWB, Bd. 15, Sp. 1564]
  5. [DWB, Bd. 15, Sp. 1449–1451]
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