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Erstellt von David am 2. Mai 2017, um 15:17 Uhr

Aus Tiroler Dialektarchiv

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|Bedeutung=Honig
 
|Bedeutung=Honig
 
|Kartentitel=‚Honig‘
 
|Kartentitel=‚Honig‘
|Kartentext=Die Honig-Wörter sind besonders in lautlicher Hinsicht interessant, denn der betonte Vokal des jeweiligen Wortstamms ist entweder o, e, i oder u. Diese Variation ist aber nicht neu: Es sind auch schon aus mittelhochdeutscher Zeit unterschiedliche Ausformungen des Stammvokals belegt. Aus honec wurde Honi(g), aus hönic wurde Heni(g) bzw. Henk <ref>Hier wirkte das gleiche Lautprinzip wie etwa bei mögen, das mundartlich zu me(i)gn wurde.</ref>{{reflist}}, aus hünic wurde Hink  und aus hung wurde Hunk. Die Verteilung dieser unterschiedlichen Formen ist relativ klar: Im Westen Tirols dominiert die Variante Honi(g), die sich auch um Innsbruck wiederfindet. Die Varianten mit e (Heni(g), Henk) sind in Zentraltirol sowie in Osttirol dominant, Hunk kommt in Teilen des Außerferns und etwa ab der Zillermündung ostwärts vor und Hink betrifft den nordöstlichsten Teil Tirols. Natürlich aber gibt es fließende Übergänge: So finden wir in Bruck am Ziller sowohl Henk als auch Hunk, in Münster kommen gar drei Formen vor (Henig, Hunk, Honig). In Nesselwängle konkurriert Hunk mit Honig, in Haiming, Silz und Mötz sind sowohl Honig als auch Henig zu finden. Diese Doppelformen leisten sich Gemeinden an den Grenzen der angesprochenen Verbreitungsgebiete. Sprachliche Grenzen sind eben natürlicherweise nie scharf, sondern sie lassen häufig ein gewisses Maß an Variation zu. Das gilt auch für einige Gemeinden um Innsbruck: In Axams, Natters und Sistrans finden sich e- und o-Formen. Diese o-Formen haben allerdings nichts mit jenen zu tun, die im Tiroler Oberland verbreitet sind. Es sind dies standardnähere Formen, die häufig in Ballungsräumen bzw. dann später eben auch in deren unmittelbarem Umland zu finden sind. Honig um Innsbruck ist also sprachgeschichtlich anders zu interpretieren als Honig im Oberland. Ersteres ist eine jüngere Variante aus der Standardsprache, die hier zuweilen mit der älteren Variante Henig konkurriert, Zweiteres ist die zumindest seit mittelhochdeutscher Zeit im Oberland verbreitete Variante.
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|Kartentext=Die Honig-Wörter sind besonders in lautlicher Hinsicht interessant, denn der betonte Vokal des jeweiligen Wortstamms ist entweder o, e, i oder u. Diese Variation ist aber nicht neu: Es sind auch schon aus mittelhochdeutscher Zeit unterschiedliche Ausformungen des Stammvokals belegt. Aus honec wurde Honi(g), aus hönic wurde Heni(g) bzw. Henk <ref>Hier wirkte das gleiche Lautprinzip wie etwa bei mögen, das mundartlich zu me(i)gn wurde. </ref>{{reflist}}, aus hünic wurde Hink  und aus hung wurde Hunk. Die Verteilung dieser unterschiedlichen Formen ist relativ klar: Im Westen Tirols dominiert die Variante Honi(g), die sich auch um Innsbruck wiederfindet. Die Varianten mit e (Heni(g), Henk) sind in Zentraltirol sowie in Osttirol dominant, Hunk kommt in Teilen des Außerferns und etwa ab der Zillermündung ostwärts vor und Hink betrifft den nordöstlichsten Teil Tirols. Natürlich aber gibt es fließende Übergänge: So finden wir in Bruck am Ziller sowohl Henk als auch Hunk, in Münster kommen gar drei Formen vor (Henig, Hunk, Honig). In Nesselwängle konkurriert Hunk mit Honig, in Haiming, Silz und Mötz sind sowohl Honig als auch Henig zu finden. Diese Doppelformen leisten sich Gemeinden an den Grenzen der angesprochenen Verbreitungsgebiete. Sprachliche Grenzen sind eben natürlicherweise nie scharf, sondern sie lassen häufig ein gewisses Maß an Variation zu. Das gilt auch für einige Gemeinden um Innsbruck: In Axams, Natters und Sistrans finden sich e- und o-Formen. Diese o-Formen haben allerdings nichts mit jenen zu tun, die im Tiroler Oberland verbreitet sind. Es sind dies standardnähere Formen, die häufig in Ballungsräumen bzw. dann später eben auch in deren unmittelbarem Umland zu finden sind. Honig um Innsbruck ist also sprachgeschichtlich anders zu interpretieren als Honig im Oberland. Ersteres ist eine jüngere Variante aus der Standardsprache, die hier zuweilen mit der älteren Variante Henig konkurriert, Zweiteres ist die zumindest seit mittelhochdeutscher Zeit im Oberland verbreitete Variante.
 
Im Übrigen war auch das Geschlecht der Wörter Veränderungen unterworfen. Hieß es im mittelhochdeutschen ursprünglich noch das honec, hönic etc., wurde es im Laufe der Zeit von der Honig, Henig etc. verdrängt. In manchen Dialekten ist aber bis heute das sächliche Geschlecht vorhanden. So liegen uns etwa aus Thiersee, Ebbs, Kirchdorf, Kössen, Umhausen, St. Leonhard oder Gerlos ältere Formen mit dem Artikel das vor.
 
Im Übrigen war auch das Geschlecht der Wörter Veränderungen unterworfen. Hieß es im mittelhochdeutschen ursprünglich noch das honec, hönic etc., wurde es im Laufe der Zeit von der Honig, Henig etc. verdrängt. In manchen Dialekten ist aber bis heute das sächliche Geschlecht vorhanden. So liegen uns etwa aus Thiersee, Ebbs, Kirchdorf, Kössen, Umhausen, St. Leonhard oder Gerlos ältere Formen mit dem Artikel das vor.
  

Version vom 22. Januar 2018, 15:34 Uhr

Bedeutung Honig
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‚Honig‘
Die Honig-Wörter sind besonders in lautlicher Hinsicht interessant, denn der betonte Vokal des jeweiligen Wortstamms ist entweder o, e, i oder u. Diese Variation ist aber nicht neu: Es sind auch schon aus mittelhochdeutscher Zeit unterschiedliche Ausformungen des Stammvokals belegt. Aus honec wurde Honi(g), aus hönic wurde Heni(g) bzw. Henk [1]Vorlage:Reflist, aus hünic wurde Hink und aus hung wurde Hunk. Die Verteilung dieser unterschiedlichen Formen ist relativ klar: Im Westen Tirols dominiert die Variante Honi(g), die sich auch um Innsbruck wiederfindet. Die Varianten mit e (Heni(g), Henk) sind in Zentraltirol sowie in Osttirol dominant, Hunk kommt in Teilen des Außerferns und etwa ab der Zillermündung ostwärts vor und Hink betrifft den nordöstlichsten Teil Tirols. Natürlich aber gibt es fließende Übergänge: So finden wir in Bruck am Ziller sowohl Henk als auch Hunk, in Münster kommen gar drei Formen vor (Henig, Hunk, Honig). In Nesselwängle konkurriert Hunk mit Honig, in Haiming, Silz und Mötz sind sowohl Honig als auch Henig zu finden. Diese Doppelformen leisten sich Gemeinden an den Grenzen der angesprochenen Verbreitungsgebiete. Sprachliche Grenzen sind eben natürlicherweise nie scharf, sondern sie lassen häufig ein gewisses Maß an Variation zu. Das gilt auch für einige Gemeinden um Innsbruck: In Axams, Natters und Sistrans finden sich e- und o-Formen. Diese o-Formen haben allerdings nichts mit jenen zu tun, die im Tiroler Oberland verbreitet sind. Es sind dies standardnähere Formen, die häufig in Ballungsräumen bzw. dann später eben auch in deren unmittelbarem Umland zu finden sind. Honig um Innsbruck ist also sprachgeschichtlich anders zu interpretieren als Honig im Oberland. Ersteres ist eine jüngere Variante aus der StandardspracheBezeichnung für eine Sprache, die überregionale Gültigkeit besitzt, in vielen Kontexten sozialer Interaktion akzeptiert und erwünscht ist und mittels eines Regelwerks normiert ist. Im deutschen Sprachraum wird sie gemeinhin auch mit Hochdeutsch oder im wissenschaftlichen Kontext mit Standarddeutsch gleichgesetzt., die hier zuweilen mit der älteren Variante Henig konkurriert, Zweiteres ist die zumindest seit mittelhochdeutscher Zeit im Oberland verbreitete Variante.

Im Übrigen war auch das Geschlecht der Wörter Veränderungen unterworfen. Hieß es im mittelhochdeutschen ursprünglich noch das honec, hönic etc., wurde es im Laufe der Zeit von der Honig, Henig etc. verdrängt. In manchen Dialekten ist aber bis heute das sächliche Geschlecht vorhanden. So liegen uns etwa aus Thiersee, Ebbs, Kirchdorf, Kössen, Umhausen, St. Leonhard oder Gerlos ältere Formen mit dem Artikel das vor.

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  1. Hier wirkte das gleiche Lautprinzip wie etwa bei mögen, das mundartlich zu me(i)gn wurde.