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Erstellt von Yvonne am 19. November 2015, um 12:07 Uhr

Aus Tiroler Dialektarchiv

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Bedeutung Wäsche
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Der folgende Fehler wurde in der Syntax gefunden:
*Sternchen (Asterisk); bezeichnet eine Form, die sprachgeschichtlich nicht schriftlich belegt, sondern nur erschlossen ist „47.231105,11.280409~axams ~wesch

ss, 1985/86~datei:marker7.png;47.299933,11.563511~baumkirchen ~wesch

eg, 1970/77?~datei:marker7.png;47.196098,11.156748~gries im sellrain ~wesch
w.e?s

eg, 1970-1977~datei:marker7.png;47.277024,11.166903~hatting ~wesch
w2.e“ ist kein gültiger Parameter.
Die Belege gelten nur für den Erhebungszeitraum.
Wir Tiroler Wäscheweiber …
Ob sich die Gepflogenheiten beim Waschen von Wäsche innerhalb Tirols unterscheiden, vermag diese Karte zwar nicht zu zeigen, dass die Tiroler in der Aussprache der zu waschenden Objekte zweigeteilt sind, aber sehr wohl. Ob wir die Wasch(e) oder die Wesch(e) waschen, hängt stark davon ab, wo in Tirol wir uns befinden.

… wollten weiße Wasche oder Wesche waschen?

Was die Wäsche betrifft, zeigt sich innerhalb Tirols eine klare Dreiteilung: Im Westen herrscht die Wasch oder Wasche – mit Ausnahme des nördlichen Außerferns - vor. Diese Lautung reicht in etwa bis Zirl, wobei sich westlich von Innsbruck um die Gemeinden Reith bei Seefeld, Zirl, Kematen, Axams, Ranggen und Hatting ein Übergangsgebiet findet, wo es in manchen Gemeinden Wasch, in den anderen Wesch heißt. Ganz anders sieht dies jedoch beim Zeitwort waschen aus, vergleiche dazu auch den Kartentext waschen. Mit sehr offenem e kommt im Außerfern zudem die Wäsche vor, die vor allem in Ehrwald, Bichlbach, Reutte, Weißenbach am Lech, Murau, Tannheim und Jungholz verbreitet ist. Dies gilt jedoch nicht für das Lechtal, wo mit einer Ausnahme Wasche-Formen vorherrschen. Die Wesche-Formen sind also vor allem östlich von Innsbruck dominant. Ein Übergangsgebiet stellt in gewisser Weise auch das Wipptal dar, da hier in den Seitentälern – etwa im Stubai- und Gschnitztal – Wasch-Formen vorkommen, wohingegen in Matrei am Brenner von Wesche die Rede ist.

Wasch oder Wasche, das ist hier die Frage

Blickt man genauer in den Westen Tirols, so zeigt sich, dass das Wasche-Gebiet noch einmal zweigeteilt ist. Während im Ötztal und in den Seitentälern des Wipptales – wie auch in Gries am Brenner – das auslautende e ausgesprochen wird, ist es im restlichen Oberland geschwunden. Eine lautliche Sonderstellung des Ötztales innerhalb des Oberlandes lässt sich in vielen Karten feststellen, weshalb dieser Befund kaum überrascht.

Wo wir Weische waschen …

Betrachtet man die Wesch(e)-Formen des Unterlandes und Osttirols, so lassen sich ebenfalls Auffälligkeiten feststellen. Das Unterinntal sowie die Gegend um Innsbruck zeigen ein sehr einheitliches Bild, Abweichungen gibt es erwartungsgemäß aber in Osttirol. Dort treten neben Wesch(e) auch Formen mit Diphthong auf, man spricht in Prägraten, Innervillgraten, Bannberg, Schlaiten sowie im Lienzer Becken vielfach von Weische.

Hinsichtlich des Auslautes zeigt sich – wie schon bei Wasch-Wasche im Oberland – eine Zweiteilung. Während auslautendes e im hinteren Zillertal sowie in Osttirol fast durchgehend erhalten blieb – man spricht von der Wesche –, fehlt es im Inntal sowie im restlichen Unterland – wo es Wesch heißt – vollständig.

Kein dummes Gewäsch

Grundlage für Wäsche bilden althochdeutschDie älteste, schriftlich nachweisbare Vorstufe der heutigen deutschen Sprache. Die althochdeutsche Zeit reicht vom Beginn der schriftlichen Überlieferung (6./7. Jahrhundert n.Chr.) bis Mitte/Ende des 11. Jahrhunderts n.Chr. waska, mittelhochdeutschEine Vorstufe der heutigen deutschen Sprache, die in etwa zwischen 1050 und 1350 gesprochen wurde. Mittelhochdeutsch steht also zwischen dem älteren Althochdeutschen und dem heute gesprochenen Neuhochdeutschen. wasche bzw. wesche in der ursprünglichen Bedeutung ‚Waschung, das Waschen‘ erst später auch ‚Wäsche‘.[1] Es lag ursprünglich also ein hauptwörtlicher Gebrauch für den Vorgang vor (vgl. tanzen und das Tanzen), erst später wurde damit auch das, was gewaschen wird, also das Waschgut bezeichnet. Auf mhd. wasche gehen – mit typisch alemannischem Palatalumlaut? – die Wäsch-Formen des nördlichen Außerferns zurück. Auch die Wasch(e)-Formen des Oberlandes lassen sich auf mittelhochdeutsch wasche zurückführen. Hier zeigt sich in der Aussprache jedoch ein anderes Bild. Hier wird der alemannische UmlautEine Lautveränderung, bei der ein ''i'' in der Folgesilbe die Vokale verändern konnte (sog. i-Umlaut). Das ''i'' scheint dabei heute nicht mehr auf, die Vokalveränderung aber ist geblieben, z.B. althochdeutsch: ''sc'''o'''n'''i''''', neuhochdeutsch: ''sch'''ö'''n''. aber – in bairischer Manier – als helles a ausgesprochen. Es heißt hier also Wasch(e).

Die östlicher verbreiteten Wesch(e)-Formen lassen sich allesamt auf mittelhochdeutsch wesche zurückführen. Die Unterteilung, die durch die Karte gut zu erkennen ist, geht also auf mittelhochdeutsche Lautverhältnisse zurück.[2]

Dass übrigens auch die Bezeichnung Gewäsch für ‚Geschwätz‘ von Wäsche bzw. waschen kommt, ist dabei eine interessante Randbemerkung. Diese erstmals im 15. Jahrhundert auftretende Bezeichnung leitet sich von der ‚Unterhaltung der gemeinsam waschenden Frauen‘ ab.[3]

Karte/Kartentext: Julian Blassnigg

Literatur
  1. [KlugeKluge, Friedrich (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Kluge. Bearb. von Elmar Seebold. 24., durchges. und erw. Aufl. Berlin/New York: de Gruyter., S. 973| DWBGrimm, Jacob/Grimm, Wilhelm (1854–1961): Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16. Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 27, Sp. 2218]
  2. [Kluge, S. 973| LexerLexer, Matthias (1872–1878): Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. 3 Bde. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 3, Sp. 701 | Kranmayer § 1p1 | PaulPaul, Hermann (2007): Mittelhochdeutsche Grammatik. 25. Aufl. Neu bearbeitet von Thomas Klein, Hans-Joachim Solms und Klaus-Peter Wegera. Tübingen: Max Niemeyer., Mhd. Grammatik § E21]
  3. [Kluge, S. 355]
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