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Erstellt von Julian am 30. Oktober 2017, um 17:42 Uhr

Aus Tiroler Dialektarchiv

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Bedeutung Feuer
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Die Belege gelten nur für den Erhebungszeitraum.
Wenn es in Tirol brennt
Nur ein Wort wird in ganz Tirol im Brandfall gerufen: Feuer! Die vorliegende Karte ist somit keine Begriffs-, sondern eine Lautkarte. Sie zeigt, wie das heiße Element in unterschiedlichen Teilen Tirols ausgesprochen wird.

Wo das Foier lodert

Vom heißen Foier spricht man im gesamten Tiroler Unterland sowie in Osttirol. Die westlichste Verbreitung dieser Form der Aussprache ist Buch in Tirol, weshalb man sagen kann, dass die Grenze zwischen Foier und Fuier in etwa deckungsgleich mit der Grenze zwischen den südbairischen und südmittelbairischen Dialekten ist. Diese verläuft bekanntlich durch Nordtirol und wird gemeinhin bei der Zillereinmündung angesetzt. Nicht in dieses Bild passt jedoch, dass Foier auch in ganz Osttirol verbreitet ist, das – wie auch das Tiroler Oberland – zum südbairischen Dialektgebiet gehört. Die Frage, ob oi oder ui gesprochen wird – mundartlich auch in anderen Wörtern wie z.B. Fliege, Teufel usw. – ist also nicht an diese Dialektgrenze gebunden und schon gar kein Merkmal von ihr. Vielmehr zeigt sich hier ein Ost-West-Gefälle, vor allem wenn man bedenkt, dass oi auch in Südtirol bis Klausen verbreitet ist. Auf der Unterkarte zu Foier zeigt sich zudem eine weitere Auffälligkeit: Es gibt eine Form Foier sowie eine Form mit r-Vokalisierungallgemein; l- und r-Vokalisierung fallen auch drunter Foia. Erstere kommt im südwestlichen Osttirol – im Defereggen-, Puster-, Villgraten-, Lessach- und Tiroler Gailtal – sowie im hinteren Zillertal – Finkenberg und Gerlos – vor. Überall sonst ist Foia vorherrschend.[1]

Die Fuierwehr kommt nur im Westen Tirols

Westlich von Buch in Tirol gibt es keine einzige Nennung von Foier. Hier ist das Kerngebiet des brennend heißen Fuiers. Dieses Bild kann auch von Einzelnennungen im Unterland – z.B. in Waidring und Going am Wilden Kaiser – nicht getrübt werden. Diese Nennungen brauchen nicht zu verwundern, gibt es doch um Kufstein eine östliche ui-Insel bei zahlreichen Begriffen. Es liegt eine mehr als deutliche Zweiteilung in lautlicher Hinsicht vor. Auch bei Fuier gibt es eine Form mit r-Vokalisierung Fuia, die aber nur vereinzelt – in Volders, Baumkirchen und Going am Wilden Kaiser – vorkommt. Viel spannender erscheint hier der markante Unterschied zwischen der zweisilbigen Variante Fuier und der einsilbigen Variante Fuir. Auch hier kann eine einigermaßen klare Unterteilung getroffen werden, da die zweisilbige Variante vor allem im Inntal vorkommt und nur selten in dessen Seitentäler eindringt. Dies wäre etwa bei Wenns, Matrei am Brenner oder Umhausen der Fall. Generell muss aber gesagt werden, dass in den Seitentälern des Oberinntals sowie im Außerfern die einsilbige Variante Fuir vorherrscht.[2]

Weil des Feier brennt immer no …

Das sangen einst die drei steirischen Herren von S.T.S. in ihrem Lied Das Feuer. Die Form Feier konnte sich bisher aber noch nicht in Tirol durchsetzen. Gerade eine einzige Nennung kann diese Variante für sich verbuchen – und zwar in Lienz. Es mag überraschend sein, dass selbst um Innsbruck diese VerkehrsdialektformEin Verkehrsdialekt ist eine in einem größeren geographischen Raum (z.B. einem Bundesland oder einer wirtschaftlich zusammenhängenden Region) gebräuchliche und verständliche Sprachform, die Besonderheiten von Ortsdialekten ausblendet. Dabei kommt es zu einer gegenseitigen Annäherung, um die Verständlichkeit zu gewährleisten. Verkehrsdialekte werden vor allem in Ballungsräumen (siehe ''typisch für Ballungsräume'') gesprochen, da hier Menschen mit verschiedenen Ortsdialekten aufeinander treffen, die untereinander kommunizieren müssen. Verkehrsdialekte weisen typischerweise also weniger dialektale Merkmale auf und tendieren hin zu einer (standardsprachnahen) Umgangssprache. zum Zeitpunkt der Erhebung noch nicht Fuß gefasst hat. In einer Erhebung aus dem Jahre 2017 konnten sich oi und ui zumindest im Unterland noch bis heute gegenüber ei halten.[3]

Vom Anblasen des Feuers

Es ist augenscheinlich, dass sich all diese Varianten auf eine Grundform zurückführen lassen, diese lautet im Althochdeutschen fiur und im Mittelhochdeutschen viur bzw. vi(u)wer. Dass es in Tirol also ein- und zweisilbige Varianten gibt, scheint kaum verwunderlich, gab es diese doch schon in mittelhochdeutscher Zeit. Dass die einsilbigen Formen allerdings älter und damit altertümlicher sind, zeigt das althochdeutsche fiur. Die Bedeutung von Feuer war bereits damals ‚Feuer, Flamme‘, man kann diese Varianten jedoch auf noch ältere Ausgangsformen zurückführen, deren Bedeutung ursprünglich wohl ‚blasen‘ lautete. Gemeint könnte ursprünglich also ‚die durch blasen auflodernde Flamme‘ gewesen sein. Ein Bild, das sehr eingängig erscheint.[4]

Karte/Kartentext: Julian Blassnigg

Literatur
  1. [ScheutzScheutz, Hannes (Hrsg.) (2016): Insre Sproch. Deutsche Dialekte in Südtirol. Bozen: Athesia., S. 45 | GschösserGschösser, David (2017): Die südbairisch-mittelbairischen Lautgrenzen im Tiroler Unterland. Bisherige Darstellung und Neuerhebung. Unveröffentlichte Masterarbeit: Innsbruck., S. 70 | Kranzmayer³Kranzmayer, Eberhard (1956): Historische Lautgeographie des gesamtbairischen Dialektraums. Graz/Wien et al.: Böhlau., S. 5–6]
  2. [Gschösser, S. 23 | Kranzmayer³, S. 51–56]
  3. [Kranzmayer³, S. 51–56 | Gschösser, S. 23 und 67 und 94]
  4. [KlugeKluge, Friedrich (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Kluge. Bearb. von Elmar Seebold. 24., durchges. und erw. Aufl. Berlin/New York: de Gruyter., S. 289 | DWBGrimm, Jacob/Grimm, Wilhelm (1854–1961): Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16. Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 3, Sp. 1581 | LexerLexer, Matthias (1872–1878): Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. 3 Bde. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 3, Sp. 377]
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