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Erstellt von Yvonne am 17. Juni 2014, um 15:00 Uhr

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Bedeutung Schmetterling (Tag)
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Schmetterlinge im Bauch
Begegnet man kleinen und großen, unscheinbaren und auffälligen und farbenprächtigen und dezenten Exemplaren im Garten und freut sich darüber, hat man sinnbildlich Schmetterlinge im Bauch. Ebenso vielfältig wie in Form und Farbe präsentieren sich die Schmetterlinge namentlich in Tirol. Es ist oft nicht einfach nur – wenn auch häufig – ein Schmetterling. Genannt wird er auch Schrättel/Schrattel, Flattermaus, Falter, Flander/Fländer/-er/-ling, Schwein-, Wein-, Fei- und Pfeifalter oder gar Pfeilmutter.

Auf Schrättel- und Schratteljagd

Auch wenn der Schmetterling noch so schön ist, kann er die unschöne Herkunft seines Namens nicht gänzlich verbergen, denn im Süden Osttirols nennt man ihn Schrättel oder Schrattel. Dessen Ursprung liegt mit schretel(în) bzw. schrätel in der Verkleinerungsform einer mittelhochdeutschen Bezeichnung für einen ‚Waldteufel, Poltergeist, Kobold‘.[1]

Mäuse in den Lüften

Gemeint ist damit aber nicht die Fledermaus, die sich anmutig in die Lüfte erhebt. Im Nordwesten und Norden Osttirols wird der Schmetterling zur Flattermaus. Der erste Wortteil lässt sich wieder durch das Zeitwort flattern erklären – eben dadurch, dass der Schmetterling mit seinen Flügeln schlägt. Beim zweien Wortteil wird es unklar – möglichweise wurden es an Fledermaus angelehnt, gerade wenn damit Nachtfalter bezeichnet wurden, was jedoch keinesfalls sicher ist.[2]

Alter Falter!

Der Falter saugt den süßen Nektar nur aus Blumen, die in den Bezirken Landeck und Imst wachsen, wenngleich auch er dort lediglich in einigen Gemeinden so genannt wird. Hinter dem Falter und der Faltere steckt das althochdeutsche fīfaltar bzw. fīfaltara, bei dem - im Neuhochdeutschen hin weggefallen ist. Das Ursprungswort hatte die Bedeutung ‚Flatterndes‘. Wie die übrigen Wörter mit -falter hier zeigen, gibt es eine ganze Bandbreite an Formen, die aus der Umdeutung von fei- (aus althochdeutschDie älteste, schriftlich nachweisbare Vorstufe der heutigen deutschen Sprache. Die althochdeutsche Zeit reicht vom Beginn der schriftlichen Überlieferung (6./7. Jahrhundert n.Chr.) bis Mitte/Ende des 11. Jahrhunderts n.Chr. -) entstanden sind. Erst seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Falter zur dominierenden Variante. In manchen Gemeinden gibt es heute noch die weibliche Form die Faltere.[3]

Alkoholgetränkt

Spaziert man im Panznaun, im Stanzertal, am Sonnenplateau und vereinzelt im Bezirk Imst und an dessen Grenzen durch die Wiesen, begegnet man so mancher Weinfaltere. Ihre Herkunft ist rasch bestimmt, auch sie stammt vom althochdeutschen fīfaltera ab. Hier wurde das -, das man nicht mehr kannte, über fei- zu Wein-. Da hier das n in Wein in diesen Regionen meist mehr nur in reduzierter Form vorkommt oder aber gar nicht mehr gesprochen wird, gestaltete sich der Übergang von fei- auf Wein- entsprechend leichter.[4]

Und was hat das mit fliegenden Schweinen zu tun?!

Eigentlich gar nichts – auch wenn auch um die Stadt Imst der Schweinfalter und die Schweinfaltere durch die Lüfte flattern. Der Schweinfalter lässt sich ebenfalls auf althochdeutsch fīfaltar bzw. die Schweinfaltere auf fīfaltera zurückführen. Wie beim Weinfalter, von dem es zu Schweinfalter nicht mehr weit ist, wurde dort das -, das für die Bevölkerung unverständlich geworden war, vermutlich über Wein zu Schwein umgedeutet.

Keine kriegerische Mutter

Nur wenig haben die filigranen Schmetterlinge mit Pfeil oder Mutter gemeinsam, dennoch nennt man sie im hinteren Zillertal Pfeilmutter. Ihr Aggressionspotzenzial wurde jedenfalls nicht zum Anlass genommen, den Schmetterling danach zu benennen. Die Herkunft dieses Wortes ist nicht eindeutig geklärt, es stehen sich hier mehrere Ansätze gegenüber: Man nimmt an, dass das altbekannte althochdeutsche fīfaltar sich dahinter verbergen könnte, aber auch eine Herleitung von Falmotte wäre durchaus möglich. Es könnte aber der Pfeilfalter als *Sternchen (Asterisk); bezeichnet eine Form, die sprachgeschichtlich nicht schriftlich belegt, sondern nur erschlossen istPfeilvater verstanden worden sein, dem die Pfeilmutter gegenübergestellt wurde.[5]

Fei/Pfei isch des a Schmetterling

Mit ihren farbenfrohen Flügel schön anzusehen, sind die Feifaltere (Kaunertal) und der Pfeifalter (Brandenberg), die an ganz unterschiedlichen Orten vorkommen. Nichtsdestotrotz teilen sie sich, wie die Bezeichnungen zuvor das gleiche Ursprungswort fīfaltara und fīfaltar. Hier ist jedoch das zugrundeliegende Wort noch leichter zu erkennen als bei den bereits entstellten Formen Weinfalter(e) und Schweinfalter(e).[6]

Die Flander entpuppt

Im hinteren Ötzttal, westlich von Innsbruck und im Wipp- und Stubaital schlüpft nach geraumer Zeit der Flander, der Fländer, der Fländerer oder gar der Fländerling aus dem Kokon. Diese Bezeichnung steht in enger Verbindung mit dem Zeitwort flandern, das nichts anderes als ‚sich hin und her bewegen, flattern, wehen‘, was Schmetterlinge ja bekanntermaßen tun, bedeutet. Der Fländerer ist demnach jemand, der flattert.[7]

Von Rahmdieben und Milchverderbern

In den meisten Gärten Tirols beobachtet man den Schmetterling, wenn von einem duftenden Strauch zum nächsten schwebt. Die Meinungen, woher das Wort für Schmetterling kommt, sind geteilt. Zwei Erklärungswege werden aber vorwiegend herangezogen: Zum einen soll es mit Schmetten, einer regionalen Bezeichnung für Rahm zusammenhängen, die auf das tschechische smetana ‚Milchrahm‘ zurückgeht. Im Volksglauben verdarben oder stehlen Hexen, die sich dazu in Schmetterlinge verwandelten, Milch und Rahm. Dies wurde auf das geflügelte Insekt mit den schillernden Flügeln übertragen. Man denke dabei nur an das Englische, in dem der Schmetterling butterfly heißt. Zum anderen könnte dieses auch mit schmettern in Verbindung stehen. Bezogen ist das Ganze auf dessen Flügelschlag.[8]

Karte/Kartentext: Julia Baumgartner

Literatur
  1. [LexerLexer, Matthias (1872–1878): Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. 3 Bde. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 2, Sp. 788 und Sp. 792| SchatzSchatz, Josef (1993) (1955–1956): Wörterbuch der Tiroler Mundarten. Für den Druck vorbereitet von Karl Finsterwalder. Unveränderter Nachdruck der Ausgaben von 1955 und 1956. 2 Bde. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner (= Schlern-Schriften 119–120)., S. 552 | SchöpfSchöpf, Johann Baptist (1866): Tirolisches Idiotikon. Wagner'sche Universitätsbuchhandlung: Innsbruck., S. 646]
  2. [DWBGrimm, Jacob/Grimm, Wilhelm (1854–1961): Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16. Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 3, Sp. 1731–1732]
  3. [PfeiferPfeifer, Wolfgang (2005): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Ungekürzte, durchges. Ausg.; 8. Aufl. München: Dt. Taschenbuch-Verl., S. 322 | KlugeKluge, Friedrich (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Kluge. Bearb. von Elmar Seebold. 24., durchges. und erw. Aufl. Berlin/New York: de Gruyter., S. 274]
  4. [DWB, Bd. 28, Sp. 909 | Schatz, S. 695]
  5. [Schatz, S. 161 | SchmellerSchmeller, Johann Andreas (1872 und 1877): Bayerisches Wörterbuch. 2., mit des Verfassers Nachträgen vermehrte Ausgabe. Bearbeitet von Georg Karl Frommann. 2 Bde. München: Rudolf Oldenbourg., Sp. 425]
  6. [DWB, Bd. 3, Sp. 1440 | Schöpf, S. 496]
  7. [Schöpf, S. 140 | Schatz, S. 176]
  8. [Kluge, S. 814 | Pfeifer, S. 1223 | DWB, Bd. 15, Sp. 1047–1048]
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