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Erstellt von Julia am 3. April 2017, um 16:26 Uhr

Aus Tiroler Dialektarchiv

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Nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen
Auch in Tirol bekommt man, wenn man sich das Schienbein anschlägt, den klassischen blauen Fleck. Dass dieses Überbleibsel nicht unbedingt so genannt werden muss, zeigen die in Tirol dafür verwendeten Bezeichnungen. Es kann ein blauer Fleck, ein blaues Mal, eine blaue Mase, eine blaue Beule, ein Blauer, eine Blaue, ein blauer Pinggel oder ein Bläuling sein.

Davon gibt’s einen großen blauen Pinggel

Das Mal, das sich im Unglücksfall bildet, und zu dem blauer Pinggel gesagt wird, kommt geographisch stark verstreut vor. Man findet es mit je einer Nennung in den Bezirken Imst, Innsbruck-Land, Lienz und Kufstein. In Pinggel steckt das mittelhochdeutsche punken, pinken mit der Bedeutung ‚stoßen, schlagen‘ bzw. die davon abgeleitete Verkleinerungsform *Sternchen (Asterisk); bezeichnet eine Form, die sprachgeschichtlich nicht schriftlich belegt, sondern nur erschlossen istpünkel(în).

Da bleibt ein blaues Mal

Hat man sich zu fest an einer Kante angestoßen, dann bildet sich im gesamten Ötztal, im Lechtal, im vorderen Stanzertal und vereinzelt um Innsbruck und Kufstein in kürzester Zeit ein blaues oder blawes Mal. Vor allem in den Tälern ist die alte Lautung von blau also das mittelhochdeutsche blâ mit dem Genitivzweiter Fall, z. B. '''des''' Buch'''s''' blâwes erhalten geblieben. In Mal steckt das mittelhochdeutsche Wort mâl, das ‚Zeichen, Merkmal, Fleck‘ bedeutete. Hier kommt besonders seine Bedeutung als Verletzungs(an)zeichen zum Tragen. Das Wort selbst ist mit Schmutz, Lehm und auch schwarz urverwandt.[1]

Nicht ganz unversehrt

Eine Mase oder eine Masel zieht man sich zu, wenn man sich im und um das vordere Ötztal, im oberen Oberinntal, im Panzaun, im Stanzertal und am Anfang des Lechtals das Knie anschlägt. Im Mittelhochdeutschen gab es bereits die Form mâse mit der Bedeutung ‚Wundmal, Narbe‘. Während hier erstere Bedeutung zum Tragen kommt, ist Mase als Bezeichnung für Narbe in den Tiroler Dialekten ebenfalls belegt.[2]

Bläuling, definitiv kein Schmetterling

Ein spektakulärer Sturz bringt im Defereggen und in Reutte einen Bläuling oder Blawling/Blabling mit sich. Auch wenn sich diese Bezeichnung anhört wie eine Schmetterlingsfamilie, verbindet sie außer der bläulichen Färbung wenig mit einer solchen. Dieses Wort stammt vom mittelhochdeutschen blâ, blâwes ab und erhielt die Endung –ling, die häufig gerade in Kombination mit einem Eigenschaftswortauch ''Adjektiv''. ''Adjektiv'' und ''Eigenschaftswort'' sind Bezeichnungen für eine Wortart, die die Beschaffenheit und Eigenschaft eines Gegenstands oder Vorgangs bestimmt, z.B. '''''schönes''''', '''''großes''''', '''''altes''''', '''''hölzernes''' Haus''. die Eigenschaft einer Person oder eines Gegenstandes wiedergibt. Hier wird also jenes Objekt, das blau ist – im Sinne der bläulichen Schwellung – mit Bläuling oder Blawling/Blabling bezeichnet.[3]

Wenn das mal keine/n Blaue/n gibt

Fällt man Kopf über die Stiege herunter, holt man sich im Hochpustertal, in Lienz, in Nikolsdorf und ab Innsbruck dem Inn entlang abwärts tendenziell einen Blauen, im Stubaital, westlich von Innsbruck, um Imst und im Außerfern hingegen eher einen Blawen/Blaben. In Tannheim und in Musau bekommt man hingegen eine Blaue. Die Bildung dieses Wortes ist nicht ganz eindeutig: Es könnte zum einen die auf das Eigenschaftswort reduzierte Form von blauer Fleck sein. Zum andern könnte auch das Eigenschaftswort blau oder blaw durch die Endung -er zu einem Hauptwort geworden sein. (Ähnliches passiert z. B. auch beim Nachnamen Grünergrün + -er.)

Ein ganzer Haufen blauer Flecken

Ein blauer Fleck ist die Folge von so mancher unsanften Landung und wird so in Tirol sehr häufig genannt. Es gibt kaum Gebiete, in denen diese Bezeichnung bei den Dialektaufnahmen nicht zumindest einmal gefallen ist. Zu diesen wenigen Ausnahmen zählen nur das Ötz-, das Lech- und das Defereggental. Der blawe Fleck kommt in Osttirol vor und hat sich aber auch von Westen bis über die Zillermündung ausgebreitet. Etwa ab diesem Punkt bekommt man bis zu den Grenzen des Bundesland Tirols meist einen blauen Fleck. Fleck geht auf das mittelhochdeutsche vlëck ‚Fleck‘ zurück.[4]

Ganz schön ausgebeult

Stößt man sich in Dölsach, Tarrenz oder Grins, zieht es einem eine blawe Beule auf. Ein Wort, hinter dem mittelhochdeutschEine Vorstufe der heutigen deutschen Sprache, die in etwa zwischen 1050 und 1350 gesprochen wurde. Mittelhochdeutsch steht also zwischen dem älteren Althochdeutschen und dem heute gesprochenen Neuhochdeutschen. biule steckt und das als eine von vielen angrenzenden Bedeutungen die Reaktion des Körpers auf einen stumpfen Schlag, ohne Blutverlust einschließt.[5]

Karte/Kartentext: Julia Baumgartner

Literatur
  1. [LexerLexer, Matthias (1872–1878): Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. 3 Bde. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 2, Sp. 273 und Sp. 309 | DWBGrimm, Jacob/Grimm, Wilhelm (1854–1961): Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16. Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 12, Sp. 1493–1494 | SchmellerSchmeller, Johann Andreas (1872 und 1877): Bayerisches Wörterbuch. 2., mit des Verfassers Nachträgen vermehrte Ausgabe. Bearbeitet von Georg Karl Frommann. 2 Bde. München: Rudolf Oldenbourg., Sp. 394]
  2. [Lexer, Bd. 1, Sp. 2056 | DWB, Bd. 12, Sp. 1698–1699]
  3. [Duden, Online im WWW unter URL: https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Das-Suffix-ling (11.06.2018)]
  4. [DWB, Bd. 3, Sp. 1740–1743 | Lexer, Bd. 3, Sp. 388]
  5. [DWB, Bd. 1, Sp. 1745–1746]
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