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Erstellt von Julia am 26. April 2017, um 17:10 Uhr

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Bedeutung Schlagsahne
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Schleckermäuler aufgepasst!
Dass gute Dinge gleich mehrere Namen haben, zeigt sich wieder einmal bei ‚Sahne‘ in Tirol. Das Fette der Milch trägt die Bezeichnungen Sahne, Rahm, Maibutter, Luckmilch, Schnee, Obers, halbgeschlagener Butter, Schlag.

I glab i (t)Rahm

Am häufigsten serviert man in Tirol zu Kaffee und Kuchen Schlagrahm, Rahm oder den geschlagenen Rahm. Es gibt hier kein durchgängiges Gebiet, das diesen Begriff nicht kennt. Im Mittelhochdeutschen hieß der Rahm noch roum – und so wird er im Bezirk Imst heute noch ausgesprochen. Dieses Wort geht auf die westgermanische Form *Sternchen (Asterisk); bezeichnet eine Form, die sprachgeschichtlich nicht schriftlich belegt, sondern nur erschlossen istrauma- ‚Rahm‘ zurück und ist zweifelsohne ein sehr altes Wort. Seine weitere Herkunft kann man aber heute nicht mehr bestimmen, hängt aber mit Begriffen zusammen, die für ‚Butter‘ stehen.[1]

Aber bitte mit Sahne

Zur Vollendung von Kuchen und Torten schlägt man im Ötztal, im Pitztal, im hinteren Paznaun, nahe des Reschenpasses, um Landeck und im Stanzertal die Sahne oder die Schlagsahne steif. Für das Mittelhochdeutsche ist sane belegt, bei dem man damals das a noch kurz ausgesprochen hat. Sahne stammt vermutlich aus dem Altfranzösischen, denn dort gab es das Wort saime für ‚Rahm‘, das wiederum auf das lateinische sagīna ‚Mast, Nahrung Fett‘ zurückgeht. Auch der Senne, also der Alpenhirt, wird davon abgeleitet. Die Bezeichnung Sahne kam über niederländische Siedler nach Deutschland und verbreitete sich von dort aus.[2]

Mehr Obers, Herr Ober!

Vereinzelt um die Landeshauptstadt Innsbruck und nahe der Bezirkshauptstädte Landeck und Reutte bestellt man seinen Kaffee im Cafè mit Obers. In dieser Bezeichnung steckt das Oberste. Lässt man frisch gemolkene Milch eine Zeit lang stehen, trennen sich Sahne und Milch voneinander. Während sich die Milch unten absetzt, bildet die Sahne von ihrem hohen Fettgehalt nach oben getrieben, buchstäblich zu oberst, eine süße Schicht.[3]

Vorsicht, nicht zu viel des Guten!

Übereifrige Rührer werden in Osttirol und im Außerfern darauf hingewiesen, dass zu langes Schlagen aus der Sahne Butter macht. Man nennt sie nämlich (halb)geschlagene Butter.

Im Wonnemonat Mai

Seinen Kaffee versüßt man sich am Inn entlang von Landeck bis kurz vor Schwaz mit der/dem Maibutter.[4] Das Monat im Wort verrät, wann diese Köstlichkeit, häufig mit Zucker und Zimt, serviert wurde: natürlich im Mai. Der zweite Wortteil trügt jedoch. Es handelt sich nämlich um keine richtige Butter, sondern vielmehr um eine halbgeschlagene Variante davon. Dass man sie im Mai herstellte, könnte darauf zurückzuführen sein, dass Kühe zu dieser Zeit das erste Mal nach dem Winter auf den Weiden und Wiesen grasten und sich das im besonderen Geschmack von Milch und Rahm zeigte.[5]

Weiß wie Schnee

Im Bezirk Landeck naschen die Kinder vereinzelt den Schnee. Da Schnee und Sahne sich einige Eigenschaften wie etwa die Farbe teilen, bezeichnet man mit Schnee die süße Sahne in geschlagener und ungeschlagener Form, die sich oben bei frischer Milch absetzt. Ähnlichkeit besteht in optischer wie herstellungstechnischer Hinsicht auch mit dem Eischnee.[6]

Good Luck-milch

Türmt sich ein Häubchen auf Kaffee und Kuchen, hat man in Teilen des Oberen Gerichts einen Löffel Luckmilch daraufgesetzt. Luckmilch (außerhalb des Bundeslands Tirol auch Lutt- oder Luppmilch) wurde sowohl zur halbgeschlagenen Butter, also zur Sahne, als auch zur Dickmilch, dem Sauerrahm gesagt. Gerade letztere Bedeutung spiegelt sich im Wort selbst wieder, denn die die Zugabe des Labes, mancherorts auch Lupp, Luppe oder Lüppe genannt, führt dazu, dass die Milch gerinnt – es geht aber hier vor allem um die Bedeutung des Gerinnens und Stockens. Hier sei jedoch zu betonen, dass für die Entstehung von Sauerrahm kein Lab benötigt wird, sondern Milchsäurebakterien, die jedoch eine ähnlich stockende Wirkung haben.[7]

Mit einem Schlag

Ein Schlag genügt wahrscheinlich nicht, um um Lienz, in Sillian und in Hopfgarten im Brixental aus dem süßen Rahm Schlag werden zu lassen. Dennoch geht aber hier die Herstellungsart in die Bezeichnung über. Sahne, die zweifelsohne daraus entsteht, dass man sie mit einem Rührgerät (im übertragenen Sinne) schlägt, wird zum Geschlagenen, kurz dem Schlag.[8]

Karte/Kartentext: Julia Baumgartner

Literatur
  1. [DWBGrimm, Jacob/Grimm, Wilhelm (1854–1961): Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16. Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 14, Sp. 63 | KlugeKluge, Friedrich (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Kluge. Bearb. von Elmar Seebold. 24., durchges. und erw. Aufl. Berlin/New York: de Gruyter., S. 741 | PfeiferPfeifer, Wolfgang (2005): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Ungekürzte, durchges. Ausg.; 8. Aufl. München: Dt. Taschenbuch-Verl., S. 1076–1077 | AdelungAdelung, Johann Christoph (1811): Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart. Wien: Bauer., Sp. 917-918 | Kluge, S. 741 | Pfeifer, S. 1076]
  2. [DWB, Bd. 16, Sp. 598 | LexerLexer, Matthias (1872–1878): Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. 3 Bde. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 2, Sp. 603 | Kluge, S. 780 | Pfeifer, S. 1157–1158]
  3. [DWB, Bd. 13, Sp. 1073–1075 | Adelung, Sp. 555–556 | Kluge, S. 661 | SchmellerSchmeller, Johann Andreas (1872 und 1877): Bayerisches Wörterbuch. 2., mit des Verfassers Nachträgen vermehrte Ausgabe. Bearbeitet von Georg Karl Frommann. 2 Bde. München: Rudolf Oldenbourg., Bd. 1, Sp. 17 ]
  4. [DWB, Bd. 12, Sp. 1472 | SchöpfSchöpf, Johann Baptist (1866): Tirolisches Idiotikon. Wagner'sche Universitätsbuchhandlung: Innsbruck., S. 412]
  5. [Schöpf, S. 412 | DWB, Bd. 12, Sp. 1472]
  6. [DWB, Bd. 15, Sp. 1227]
  7. [Schöpf, S. 404 | Adelung, Sp. 1853-1854 | Idiotikon(1881–) Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache., Bd. 3, Sp. 952 | Schmeller, Sp. 1497]
  8. [DWB, Bd. 15, Sp. 327]
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