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Erstellt von Csas1462 am 6. Mai 2019, um 16:17 Uhr

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Bedeutung Heumännchen
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Es Hei muas in Ståll
Schon fast seit Anbeginn der Menschheit wird Landwirtschaft betrieben. Um aus Gras Heu zu machen, muss dieses erst einmal getrocknet werden. Doch was verwenden die Landwirte, wenn der Boden zum Trocknen des Grases nicht geeignet ist? Holzgestelle, die aus einem Mittelpfahl und ca. drei hölzernen Querbalken bestehen, sind die Lösung. Doch wie sagen die Tirolerinnen und Tiroler zu diesen Holzgestellen bzw. Heumännchen? Anhand der Karte lässt sich eine schöne Vierteilung erkennen.

Der Diener Heinz

Den Ursprung findet das im Westen Tirols gebräuchliche Wort Heinzen mit seinen unterschiedlichen Varianten im Namen Heinz, der wiederum eine Verkleinerungsform zu Heinrich ist[1]. Mit Heinz werden aber auch unterschiedlichste Geräte bezeichnet, die eine „dienende“ Funktion haben. So wird im Allgäu[2], dem Außerfern und dem Tiroler Oberland mit dem Wort ein Holzgestell zum Heutrocknen bezeichnet.

Schwäbischer Import?

Vom Raum westlich von Innsbruck bis zu den Ötztaler Alpen erstreckt sich ein Gebiet, in dem zu den Heutrockengestellen Stangger gesagt wird. Wir finden eine ähnliche Form im schwäbischen Oberland belegt, nämlich Stänker, was so viel bedeutet wie ‚'armsdicker, dürrer Fichtenstämmling, an dem die Äste nicht abgehauen, sondern ringsum nur zugestutzt sind, und der in den Boden gesteckt wird, um auf dem Felde Flachs, Getreide, Klee etc. daran aufzuhängen und zu trocknen'[3]. Und das mutmaßlich zugrundeligende Zeitwort stänken wiederum ist – zumindest im Schwarzwald – eine mundartliche Form von ‚stecken‘. Das Wort könnte also aus dem südwestdeutschen Raum zu uns gedrungen sein.[4].

Dürres Bäumlein

Das Wort Råggl wird nur in einem Beleg vermerkt, und zwar in Obertilliach im hintersten Lesachtal. Auch wenn Råggl gemäß heutigem Sprachverständnis nach Roggen, der Weizenart, klingt, hat es damit wohl nichts zu tun. Allerdings ist die exakte Wortherkunft unklar. Es dürfte aber wohl zu dem im Pustertal verbreiteten Wort Råggl in der Bedeutung ‚dürres Reisig, Astwerk‘ bzw. ‚dürres Bäumlein‘ (im Jaufental) zu stellen sein[5] und damit eventuell ein Lehnwort aus dem Romanischen darstellen. Auch das in Tirol verbreitete Wort Grågge für ‚dürrer, dünner Ast, dürres Staudenwerk‘ ist hierher zu stellen[6]. Interessant ist jedenfalls, dass hier das gleiche Benennungsmotiv wie bei Stangger zugrundeliegen dürfte.

Stiefel am Feld?

Von Zentraltirol über das Zillertal bis nach Kufstein wechseln sich die Varianten Stiefel und Stiefler regelmäßig im Sprachgebrauch ab. Hier hat Stiefel aber nichts mit einem Schuh zu tun. Schon im Althochdeutschen bedeutete stiful bzw. stifulen ‚Stütze‘ bzw. ‚stützen‘.[7] Seit dem 14. Jahrhundert bezeichnet der spätmittelhochdeutsche stivel eine ‚Stange zum Stützen von Rankengewächsen‘[8].

„Feldhügel“

In den Kitzbüheler Alpen wechseln sich Hiefel und Hiefler und in Osttirol Hiebler und vermehrt Hiefler ab. Diese Formen gehen auf mittelhochdeutschEine Vorstufe der heutigen deutschen Sprache, die in etwa zwischen 1050 und 1350 gesprochen wurde. Mittelhochdeutsch steht also zwischen dem älteren Althochdeutschen und dem heute gesprochenen Neuhochdeutschen. hübel ‚Hügel‘ bzw. *Sternchen (Asterisk); bezeichnet eine Form, die sprachgeschichtlich nicht schriftlich belegt, sondern nur erschlossen isthüvel zurück. Sehr passend, wenn man sich vor Augen hält, dass ein Heumännchen ja eine Erhöhung ähnlich einem Hügel darstellt.[9]

Karte/Kartentext: Julia Kampfmeier/Yvonne Kathrein

Literatur
  1. [SchatzSchatz, Josef (1993) (1955–1956): Wörterbuch der Tiroler Mundarten. Für den Druck vorbereitet von Karl Finsterwalder. Unveränderter Nachdruck der Ausgaben von 1955 und 1956. 2 Bde. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner (= Schlern-Schriften 119–120)., S. 273]
  2. [DWBGrimm, Jacob/Grimm, Wilhelm (1854–1961): Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16. Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig: S. Hirzel., Bd. 10, S. 890]
  3. [DWB, Bd. 17, S. 834]
  4. [DWB, Bd. 17, S. 832]
  5. [Schatz, S. 467]
  6. [Schatz, S. 247]
  7. [SplettSplett, Jochen (Hrsg.) (1993): Althochdeutsches Wörterbuch. Analyse der Wortfamilienstrukturen des Althochdeutschen, zugleich Grundlegung einer zukünftigen Strukturgeschichte des deutschen Wortschatzes. 3 Bde. Berlin: de Gruyter., S. 937]
  8. [KlugeKluge, Friedrich (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Kluge. Bearb. von Elmar Seebold. 24., durchges. und erw. Aufl. Berlin/New York: de Gruyter., S. 883]
  9. [Schatz, S. 305]
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